Wortschatz

2 in 1 ... oder ... Kröten mögen keine Himbeeren

Ich liebe Familienfeiern. Endlich kann man mal mit seinen buckligen Verwandten sich zusammensetzen und sich mit Grund die Birne vollaufen lassen. Alle … außer mir. Ich muss fahren und darf deswegen nichts trinken. So ein Scheiß aber auch. Gerade heute, wo wir auf einer Familienfeier eingeladen sind, bei der ich so gut wie keinen kenne … und ich bin doch unter Alkoholeinfluss noch gesprächsfreudiger.

Wir fahren also zu Familie Meier. Herr und Frau Meier feiern, dass sie es 25 Jahre lang geschafft haben verheiratet zu sein. Heutzutage eine Seltenheit. Zumindest habe ich das gehört. Ich geh zu Frau Meier, umarme sie und überreiche ihr meine Beileidskarte in die ich, falls sie es sich anders überlegen sollte und ein neues Leben anfangen will, 20€ Startkapital beigelegt habe.

„Kannst mich Steffi nennen.“ Sagt sie mir mit einem Grinsen. Eigentlich will ich fragen ob sie ihrer großen Schwester Barbie immer noch den erfolgreicheren Start und die schöneren Brüste übel nimmt. Allerdings finde ich Steffi äußerst sympathisch und ich glaube nicht, dass sie meinen Humor teilt, deswegen lasse ich es. Außerdem gibt es nachher noch Essen und ich will satt werden.

Ich setze mich auf meinen Platz, den ich die nächsten 6 Stunden nicht verlassen will, bereue es aber mit der Zeit, weil ich zwischen zwei Männern sitze, die zusammen soviel auf die Waage bringen, dass man allein mit ihren Oberschenkeln ganz Afrika zwei Jahre lang über Wasser halten könnte. Ich kann also nur mit angelegten Ellenbogen essen und gestikulieren.

Während ich wie ein Schweizer Taschenmesser zwischen den beiden Hungernotverhinderern sitze kommen auch die nächsten Gäste, die sich allesamt nach und nach vorstellen. Ich bin natürlich höflich und rülpse jedem ein „Björn, freut mich!“ entgegen. Als die nächste Fuhre Trauergäste ankommt und ich schon Luft im Bauch sammele um vielleicht sogar ein „Und wie heißt du?“ der nächsten Person entgegenrülpsen zu können, werde ich von einer Flut Hände überrumpelt.

„Björn“
„Ich bin die Heidi“

Heidi sieht gut aus. Sehr gut sogar. Wenn man mal von ihren schwarzen Haaren absieht, die so stark toupiert wurden, dass jeden Moment ein Kranich rausgeflogen kommen könnte. Sie hat einen sehr engen Jeansrock und ein noch engeres Top an. Ich mustere sie von oben bis unten, aber nur, um festzustellen, ob sie Knöpfe oder ähnliches auf ihrer Wurstpelle hat. Falls ich mich schützen muss, denn Heidi sitz mir gegenüber.

Ich komme aber nicht dazu irgendeinen bissigen Kommentar loszulassen. Es gibt Kuchen. Und ich sitze günstig zwischen Eierlikör-Sahne-Buttercreme-ich-mach-dich-nicht-dick-Torte und einer leckeren sehr frisch aussehenden Erdbeertorte mit fettarmen Boden, wie mir Steffi versichert. Schließlich bin ich ja der Diätberater und muss hier auf die Ernährung aller achten. Ich rolle mit den Augen und nehme mir gleich zwei Stücken von Eierlikörtorte.

„Sag mal, Heidi, willst du nichts essen?“ fragt Heidis Opa
„Nein“
„Sag bloß, du bist auf Diät?“
„Nein ich esse keinen Kuchen“

Ich höre mir das Gespräch an und kann mir ein: „Super, bleibt mehr für mich“ nicht verkneifen. Das alles wird von fünf fliegenden Eierlikörtortenkrümeln beim Wort „Super“ begleitet, was Heidi wahrscheinlich schon zuviel des Guten ist, denn sie springt angewidert zurück.

Mir macht es nichts, denn ich habe schon die Schokotorte bei meiner Schwester entdeckt … „Jenny, schmeiß mir mal das Kalorienwunder vor deiner Nase rüber“ schrei ich ihr entgegen. Gefolgt von einem Flüstern meiner Mutter, dass ich nicht so laut schreien soll.

Janine schreit mir ein „Jetscht schofort?“ zurück, was wahrscheinlich bedeuten soll, dass sie selber noch den Rest der Torte für sich beansprucht hat. „Aber Dalli“ … meine Mutter bekommt einen Nervenzusammenbruch, beißt von ihrem fettarmen Erdbeerkuchen ab und beruhigt sich wieder.

Heidi ist immer noch damit beschäftigt sich en Kuchen schlecht zu reden und trinkt Kaffee. Ohne Milch. Denn die macht dick.

Später auf dem Balkon.

Wir stehen draußen und erzählen uns gemeinsam Geschichten, von denen ich mal wieder nur die Hälfte mitbekomme, weil ich mehr damit beschäftigt bin den Songtitel der viel zu leise gestellten Anlage zu identifizieren. Das führt dazu, dass ich immer wieder von einem: „Björn? Biste wach?“ unterbrochen werde, weil meine Schwester nicht alleine mit Hungerhakenheidi reden will. Muss sie auch nicht lange, denn nach 5 Minuten gesellen sich die Männer dazu, die nach 10 Minuten über das reden, worüber Männer am liebsten reden: Bundeswehr.

Die einzige Geschichte, die mir zur Bundeswehr einfällt ist die, die ich immer wieder erzähle:

Ich sitze in einem LKW und mache meinen LKW-führerschein, was dass Einparken beinhaltet. Während ich langsam zurück rolle stehen 5 Männer um mich herum und schieben die Luft vor sich weg und zur Seite, was irgendwie bescheuert aussieht … aber ich enthalte mich meiner Meinungskundgebung.

Nachdem ich eingeparkt habe, steige ich aus, begutachte meinen schief gestellten LKW und gebe mir selbst ein „Geilomat“. Auf einmal ein „hohes C“. Begleitet von einem hysterischem „Macht das weg, macht das weg. Ich fass es net an!“ hüpft Feldwebel Pimpelhuber auf und ab und zeigt mit blassem, Gesicht auf eine platt gefahrene Kröte, die vor lauter Pressgewalt ihre Eingeweide ausgespuckt hat.

Das hysterische Wiehern hat natürlich auch andere Männer angezogen, die jetzt zusammen fachsimpeln, was passiert sein könnte. Einer, wahrscheinlich vom Fach, erklärt, dass er ganz genau wüsste, was da passiert ist.

„Die Kröte hat sich an einer Himbeere verschluckt“
„Bitte was?“
„Na das vor ihr ist doch eine Himbeere. Und die ist ihr viel zu groß“
„Seit wann essen Kröten Himbeeren? Und selbst wenn. Siehst du hier irgendwo einen Himbeerstrauch? Wo soll die Kröte die denn her haben? Bei Tegut gekauft?“
„Doch glaub mir. Ich kenn mich da aus“
„Du bist dämlich wie drei Meter Waldweg!“
„WAS?“
„Äh … ich muss weg“

Onkel Tom steht immer noch auf dem Balkon neben Hungerhakenheidi und meiner Schwester: „Darüber kann ich nicht lachen“ sagt er mit ernster Miene. Oh Gott … wahrscheinlich heißt er nicht Tom sondern Ting Tong und gehört der chinesischen Krötenhilfsorganisation an. Ein lustiges Bild, denn ich stell mir vor, wie er vor der chinesischen Botschaft steht und: „Lettet die Klöten, Lettet die Klöten“ brüllt.

Über diesen Gedankengang kann er auch nicht lachen. Nein … es ist pervers so was zu erzählen. Hallo? Als du vorhin eindrucksvoll und bilderreich beschrieben hast, wie du deinen Mittelfinger mit der Kettensäge abgetrennt hast … da hat es dich auch nicht interessiert, wie viele Eiweißverbindungen in meinem Körper ausflocken.

Pah

Ich geh rein und stelle mich ans mittlerweile aufgebaute Buffet. Steffi sagt, dass ich doch den anderen Bescheid geben soll. Ich schreie: „Onkel Ting Tong, Heidi, lein mit euch. Es gibt flische Klötenschenkel“ Kein Lacher. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die meinen Humor nicht verstehen.

Ich packe mir meinen Teller bis zur Klötenvergasung voll und beginne zu schlemmen. Hungerhakenheidi sitzt mir gegenüber und knabbert einen Petersilienstengel. Vielleicht ist es auch ein Salatblatt von gestern, dass sie wiederkäut, ich weiß es nicht.

Später

Es kommt zu einem Wortgefecht zwischen Steffi und mir. Ist Schokolade Nervennahrung? Klar … meine Nerven sind super. Aber das Drumherum ist einfach scheiße.

Meine Schwester fragt mich, ob ich was getrunken habe … schließlich muss ich ja noch fahren.

„Isch kannich fahrn … muss noch trinken … ALLOHOL!!!“

Der letzte Kräuterlikör war schlecht. Sehr schlecht. Ich dachte ich könnte es noch mit der Eierlikörsahnetorte kompensieren … aber irgendwie wurde daraus nichts.

Ja … ich liebe Familienfeiern.

6.6.08 12:16

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Chaotenweib / Website (10.6.08 19:53)
Haha...Heidi isst keinen Kuchen...

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