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Ratten

Ratten. Kleine, angeblich ekelige, Tierchen mit langem Schwanz und dicken Haaren. Meine jugendliche, vorpubertäre Hirnhälfte überlegt gerade, ob ich einen Scherz àla: "Ich bin eine Ratte" machen soll, aber meine immer größer werdende, erwachse Hirnhälfte unterbindet es.

Jedenfalls sind Ratten das, was viele Frauen kreischend in die Arme von uns bringen. Was ich nicht unbedingt missbillige. Schließlich erspart es einem die Frauen mit diesen echt geilen Sprüchen bis zur Besinnungslosigkeit zu traktieren. Man(n) muss nur noch beruhigend auf sie einreden und sie auf etwaige Gemeinsamkeiten mit Ratten aufmerksam machen.

Und da sehe ich in jedem Magazin, in jeder Werbung und auf allen Plakaten. "Ratatouille" DER Film des Jahres. Die Sensation. Lustig, Genial, Herzerweichend.

Der Film erinnert mich an alle möglichen Disneyklassiker mit Tränenpressgarantie. Nur aus dem Computer. Mich wundert, dass da nicht noch eine krebskranke Katze mit einem schwulen Hund als Nachbar mitspielt. Obwohl, dass wäre wieder nicht massentauglich.

Was hat Disney nur aus PIXAR gemacht? Die Schweine. Die haben sich in Shrek so schön über sinnlose Musikeinlagen lustig gemacht. Haben das ewig Schöne aus dem Disneyuniversum durch den Kakao gezogen. Und jetzt? Die Witze ziehen nicht einmal beim Kindergeburtstag?

Schlecht. Sehr schlecht. Aber das war Shrek 3 auch schon. Von daher.

Einziger Lichtblick: Lifted. Der Kurzfil über einen außerirdischen Azubi war wiederum sehr lustig und äußerst frech. So einen Film in Abendfülllänge. Das hätte doch was.

PS: Ich weiß, dass ich mir jetzt ca. 80% meiner Leserschaft (so ungefähr 10 Leute) zum Feind mache. Lasst euch sagen. Mit euch würde ich den Film 30 mal schauen. Sofern ihr mir beim Anblick der Ratten in die Arme springt und ich euch auf meine Ähnlichkeiten mit diesen Tieren aufmerksam machen darf.

Scheiße das war die falsche Hirnhälfte.

5 Kommentare 1.11.07 18:51, kommentieren



Tage wie dieser

Es gibt Tage, da klebt einem die Scheiße an den Fingern, wie die Deutsche Bahn an einem unregelmäßigen Tagesablauf. Mir fällt der Lieblingsübertopf meiner Mutter auf den weiß gekachelten Fußboden in Scherben, es regnet, als müsste ich gleich ein großes Schiff bauen und sämtliche Raupengattungen auf einen sicheren Hügel bringen und mein Lieblings-T-Shirt weißt Flecken von unergründlicher Herkunft auf.

Und an einem dieser Tage habe ich ein Vorstellungsgespräch. Mir kommt’s hoch. Ich weiß nicht, wie ich das überstehen soll. Aber ich bin von Natur aus ein unverbesserlicher Optimist und habe gut gefrühstückt. Das muss klappen. Es kann gar nicht anders funktionieren.

Ich fahre pünktlich um 8 mit dem dunkelblauen Renault meines Vaters vom Hof und verfluche wieder einmal das nicht vorhandene CD-Radio. Ich würde jetzt schon gerne eine schöne CD hören, muss aber wieder auf meinen mp3-Player zurückgreifen, bei dem ich seit 2 Monaten die Musik nicht wechseln kann, weil der einen Wackelkontakt hat. Aber da muss ich jetzt durch. Und so fahre ich mit bekannter Musik eine unbekannte Strecke in einen noch unbekannteren Ort um dort hoffentlich einen Job zu bekommen. Bad Malente. Schöner Name eigentlich. Und das wäre mein dritter Kurort, in dem ich wohne. Vielleicht bin ich ja ein Kurortmensch. Aber das können wir später klären. Jedenfalls fahre ich jetzt. Meine Musik ist so laut, dass die Fliege, die seit Cottbus an meiner Windschutzscheibe klebt einen leichten bis mittelschweren Hörsturz bekommt. Ich bin noch von meinem guten Frühstück satt. Eigentlich geht’s mir gut.

Dann kommt der erste Schock aus dem Radio. Ein LKW hatte einen Unfall und ist so schön liegen geblieben, dass die Autobahn in beide Richtungen gesperrt werden musste. Sehr schön. Wenn man Auto fährt, will man genau so die Fahrt beginnen. Die Umleitung war, natürlich, ebenfalls nicht mit 80 km/h befahrbar. Nein, selbst die Fliege auf meiner Windschutzscheibe ist schneller als ich. Ich esse mein erstes Schnittchen und versuche meine Mutter anzurufen. Die hat zwar heute Geburtstag und wird wegen der überdurchschnittlichen Gratulationsflut kaum erreichbar sein, aber ich brauche jetzt eine extragroße Portion Muttivation. Sie ist natürlich nicht erreichbar. Stattdessen habe ich meine Schwester am Telefon, die mir erklärt, dass meine Mutter gerade mit meiner Cousine über Erziehungsmethoden fachsimpelt. Meine Cousine ... ich hör mittlerweile so wenig von ihr, dass ich glatt vergessen könnte, in welchem Grad ich mit ihr verwandt bin.
Meine Mutter soll mich sofort zurückrufen. Ich brauche, will, benötige meine Muttivation. Und so warte ich Leberwurstschnittchen essend und Alaskatafelwasser trinkend auf einen sehr wichtigen Anruf. Ich überlege kurz, was ich jetzt machen soll. Mit einem stumpfen Löffel Amok laufen? Den Chef anrufen und sagen, dass ich evtl. später kommen könnte, weil ein LKW meine Weiterfahrt verzögert? Meine Mutter meint, dass ich doch den zweiten Vorschlag in Angriff nehmen sollte. Sie hat nicht die Zeit um ihren missratenen Sohn im Cottbuser Knast zu besuchen, zumal sie nicht einmal weiß, wo genau der jetzt ist. Also rufe ich den Chef an.
„Hallo Herr F. ich werde es wahrscheinlich rechtzeitig schaffen. Ich stecke in einem riesigen Stau und kann auch keine andere Strecke nehmen, weil ebendiese Stau durch die Dörfer führt.“
Ich soll mir nicht die Ohren abfahren und ihn anrufen, wenn ich bei Hamburg bin, damit er die Zeit ungefähr abschätzen kann. Ok, letztendlich kann man an dieser Sache nichts ändern, denke ich mir und beiße in mein zweites Leberwurstschnittchen.

Drei Stunden später fahr ich wieder auf die Autobahn in einen sehr zähfließenden Verkehr. Wenigstens fließt es. Ich schaue auf meine Uhr, rechne mir meine verbleibende Zeit zusammen und gebe mich mit einem „Es wird knapp“ zufrieden. Damals, ja damals kannte ich Berlin noch nicht.

Berlin [bɛʁˈliːn] ist Bundeshauptstadt und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland. Als Stadtstaat ist Berlin ein eigenständiges Land und bildet das Zentrum der suizidalen und verrückten Autofahrer. Berlin ist mit 3,4 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste und flächengrößte Baustelle Deutschlands und nach Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union.

Kurz gesagt: Ich bin bedient

Ich fahre auf der A 10 und sehe vor mir, dass die Strecke gesperrt ist. Es wird gebaut. Toll. Sehr schön. Wenn ich jetzt wieder drei Stunden im Stau stehe, sieht es eng für mich aus. Ich habe nur noch zwei Leberwurstschnittchen. Plötzlich ein Schild. Anlieger können geradeaus fahren, Besucher nehmen die Ausfahrt „Grünau“. „hier wohnt jemand?“ denke ich mir und suche mit einem Auge nach einem Haus, an dem ich mal kurz parken kann um zu klingeln. Dann kann ich auch gleich fragen, wie man auf die bescheuerte Idee kommen kann direkt an einer Autobahn zu wohnen. Ich beschließ, kurzweilig ein Berlinerbesucher zu sein und nehme die Ausfahrt Grünau und suche nach einem Schild das mir zeigt, wie ich weiterfahren muss. Nichts, Nada, Niente. Genauso gut hätte man einen Zettel mit der Aufschrift: „Viel Spaß beim Suchen“ an einen Laternenpfahl kleben können.

Ich bin also völlig auf mich allein gestellt, in einer Stadt, die ich nur aus Bahnhofsicht kenne. Zehn Minuten später befinde ich mich in der Berliner Walachei und suche nach dem Zettel mit der Aufschrift: “Falsch gesucht“. Schnell noch mal geblitzt werden und dann fahren wir weiter. Immer geradeaus, so kommt irgendwann schon wieder auf die Autobahn. Komme ich auch. Auf die A 10 und weitere Zehn Minuten später befinde ich mich vor einer gesperrten Straße mit einem Schild auf dem steht, dass Anlieger geradeaus fahren dürfen und Besucher doch bitte die Ausfahrt Grünau nehmen möchte. Vor mir blitzen Lichter auf. Wahrscheinlich sind das meine Sicherungen, die durchbrennen. Ich fahre also anders. Irgendwie anders.

Das Anders fahren bringt etwas, wenn auch nur ein bisschen. Denn jetzt befinde ich mich wieder auf der Autobahn, die, laut Autoatlas, Richtung Hamburg führt. Ein relativ großer Umweg zwar, aber wenigsten komme ich an. Es ist 13 : 03 und um 14 : 30 habe ich den Termin. Ich muss mich beeilen und ein bisschen aufs Gas drücken. Aufs Gas drücken heißt hier 60 km/h. Vor mir fährt nämlich die Polilente auf ihrer Streife nach liegen gebliebenen und völlig verwirrten Berlinerbesuchern. Und wenn ich da mal so eben galant mit 120 überhole macht das bestimmt keinen Spaß. Außerdem regnet es einen gesamten Kleintierzoo und das sollte die Hoffnung doch schon etwas schmälern. Aber ich bin immer noch optimistisch und mein gutes Frühstück ist noch in meiner Erinnerung, irgendwie werde ich das Kind schon schaukeln.

Um 15 : 00 bin ich bei Lübeck. Ich suche eine Parknische mit integrierter Latrine um den Chef anzurufen und ihm mein Standort mitzuteilen. Kurz bevor ich ihn anrufen kann, klingelt mein Handy. Der Chef ist dran und fragt mich, wo ich denn wäre. „In der Nähe von Lübeck“. Ja, der Termin muss ja eingehalten werden, er habe bald Feierabend und es ginge ums Prinzip. Termin wird verschoben.

Lichtergewitter. An meinem inneren Auge ziehen 3 Stunden Stau, 2 Stunden suchen, 5 Stunden zittern und eine Ewigkeit mit einer vollen Blase vorbei. Ich kann’s ja verstehen. Ich selber würde auch nicht zwei Stunden auf jemanden warten wollen, der vor drei Stunden hätte da sein sollen. Und ich hasse Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit. Ich bedanke mich beim Chef und fahre auf den Parkplatz um meine Blase und Tränensäcke zu entleeren. Egon schlägt mit einem Eisenhammer auf mein gläsernes Seelchen und vor mir fliegt eine fett grinsende Fliege, die wahrscheinlich „ERSTER“ ruft.

Es hilft alles nichts. Ich muss wieder nach Hause fahren und darf mich darauf freuen, dass ich 12 Stunden unterwegs war und gut 100 Euro aus dem Fenster geschmissen habe. Wenigstens bin ich pünktlich zu „Heroes“ zurück, denn auf der Rückfahrt hat es natürlich nicht geregnet. Es hat auch keinen Stau gegeben und ich habe mich nicht verfahren.

Es gibt Tage, da klebt einem die Scheiße an den Fingern, wie eine gehässige Fliege auf der Windschutzscheibe. Die Frage ist aber nicht, was am Ende dabei rauskommt, sondern was man daraus macht. Wenn ich zu meinem nächsten Termin in Bad Malente fahre, dann einen Tag früher. Und beim Vorstellungsgespräch werde ich mit mehr als nur Willen glänzen können. Nämlich auch mit Anwesenheit und Ehrgeiz.

7 Kommentare 11.11.07 12:58, kommentieren