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Jule oder die Entstehung einer Depression

Jule kommt mich besuchen. Und wie jedes Mal sagt Jule kurz vor der Angst Bescheid. Das ist hip. So was macht man anscheinend heutzutage, da es hilft, sich bestimmte Besuche zu ersparen, weil der zu Besuchende dann meistens schon was vorhat. Ich hatte glücklicherweise nichts vor und konnte mich demzufolge darauf freuen einen obligatorisch lustigen Nachmittag mit ihr zu verbringen.

Diese Nachmittage fangen meist mit einer mehrere Stunden andauernden Umarmung, die bei mir verschiedene Quetschungen der Luftröhre verursacht, an. Weiter geht es dann mit dem üblichen Geplänkel („Gott, Björn!!! Hast du zugenommen?“) und einem Smalltalk über die schwangeren Freundinnen, die ich nicht kenne. Anschließend gehen wir in die Stadt und zur Lomo, eine Fernfahrerraststätte mit respektablen Preisen und komischen Bedienungen. Und ausgerechnet die komischste Bedienung ist für unseren (Stamm)Tisch zuständig. Eigentlich könnte man komisch auch durch dumm ersetzen, denn die Frau kann sich in 5 m Luftlinie nicht merken, wer welches Getränk bekommt. Wir quittieren es mit äußerst langen Sonderbestellungen, was sie uns wieder mit einem bösen Blick quittiert, während sie arschwackelnd zur Theke geht.

Nebenbei gesagt: Nicht, dass Jule nicht willkommen ist. Schließlich kommt sie aus Wien, wodurch man sie nur dreimal im Jahr sieht. Weil sie in Wien wohnt und Wien für seine hohen Anforderungen an Lebenserhaltungskosten bekannt ist, kann sich Jule nun mal nicht jeden Monat einen Urlaub leisten. Außerdem hat sie Schildkröten und die würden jämmerlich verrecken. Jule ist also stets ein gern gesehener Gast und ich freue mir jedes Mal ein zweites Loch in meinen Arsch, weil Jule Humor, Ausstrahlung und einen geilen Hintern hat. Ich würde zwar nichts mit ihr anfangen, aber der Hintern ist nun mal geil und ich bin ein Mann mit Augen im Kopf, also gucke ich wenn sie vor mir läuft.

Als wir dann noch abends bei diversen selbst gemachten Likören in der Küche sitzen und uns über Danni und ihre egoistische Art der freundschaftlichen Beziehungsführung unterhalten, bekommt Jule einen sentimentalen Blick und fragt mich, was ich mir denn so wünschen würde. „Eine Einwegguillotine in achtfacher Ausführung, mit extrascharfer Schneide wäre nicht schlecht.“ Jule meint: „Ach jetzt mal im Ernst. Was würdest du dir wünschen, wenn du einen Wunsch frei hättest?“ Grundsätzlich halte ich nichts von Wünschen, denn Wünsche sind zum Realisieren und Anstreben und nicht zum Wünschen da. Aber Jule will nun mal, dass ich mir was wünsche und garantiert will sie auch auf etwas ganz Bestimmtes hinaus. Was genau das ist kann ich mir noch nicht denken, aber ich bekomme es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit bald raus.
„Ich weiß es nicht, Jule, ich mag mir einfach nichts wünschen, was nicht tötet“
„Und was ist mit einer Freundin?“

Bumm. Autsch. Während ich ihr in Gedanken den Essig reiche, um das Salz aus der Wunde waschen zu können, gieße ich mir noch einen Schokoladen-Orangen-Likör hinter die Binde, der einen dämlich bitteren Nachgeschmack entwickelt. Gut, ich hatte lange keine Freundin. Die Menge an Freundinnen kann ich an einer Hand mit abgeschlagenem Mittelfinger abzählen und selbst dann hätte ich noch drei Finger zuviel. Und Silvana zählt nicht, die hatte noch nicht mal meine Zunge im Hals. Aber muss Jule ausgerechnet jetzt, in meiner sensiblen Phase, mit solchen Geschichten anfangen?

„Björn, ich mag dich wirklich sehr, als Kumpel. Und du brauchst eine Freundin. Da muss doch die Nähe und die Geborgenheit fehlen?!“
„Dass ist das Problem bei euch Frauen, für euch bin ich ein guter Kumpel. Hast du schon mal einen guten Kumpel gefickt? Ich denke nicht!“
„Es geht ja auch nicht um mich und auch nicht nur ums ficken. Dir muss doch eine Freundin fehlen. Wie lange hattest du jetzt keine Freundin?“
„Jule“
„Drei Jahre?“
„Jule!!!“
„Also es sind mindestens drei Jahre, darauf möchte ich wetten. So lange hält man doch nicht ohne Beziehungen aus?“
„Siehst du eine Wasserleiche vor dir? Es geht wirklich ... denn irgendwann fällt dein Geschlechtstrieb aus und du hast einfach nicht mehr das Verlangen nach einer Beziehung. Und solange mein Pimmel aufgrund der Minderbenutzung nicht schrumpft, ist es mir auch egal. Zumindest bilde ich es mir ein.“

Jule gibt bei solchen Gesprächen generell nicht locker, weil sie gerne darüber redet, wie andere zusammenkommen. Auch über die sich aus Beziehungen entwickelnden Zustände wie Verliebtheit, Katatonie und Mordlust redet sie gerne. Und übers Ficken. Zumindest bei mir. Also versuche ich das Beste aus meiner Situation zu machen und geh aufs Klo. Ich muss zwar nicht, aber wenn man beim Arzt eine Urinprobe abgeben muss kann man irgendwie auch immer pinkeln, also gehe ich davon aus, dass aus meinem Klobesuch eine längere Geschichte wird. Vielleicht vergisst sie es ja.

Sie hat es natürlich nicht vergessen. Allerdings hatte Marko angefangen zu reden. Und wenn Marko redet, haben andere Sendepause. Nicht, weil Marko so Respekt einflößend ist. Marko sieht aus wie ein Puter in der Mauser und wenn er sich aufregt, sieht er aus wie ein roter Puter in der Mauser. Das hilft nur bedingt dabei andere unter dem Pantoffel zu halten. Nein, bei Poulardenmarko sagt kein anderer was, weil er sehr viel redet. Und wenn jemand anders was erzählt, redet er trotzdem. Schließlich hat er viel zu sagen. Naja, eigentlich nichts. Aber das sagt ihm Niemand. Nichtsdestotrotz danke ich Marko, denn so erspart er mir noch einen Jul’schen Potenztest. Und darauf hatte ich ja gar keine Lust.

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Mission: Impossible

Ich fahre Sabrina und meinen Cousin Jens besuchen. Versprochen hatte ich es schon vor einem Jahr, aber mein chronischer Geldmangel lässt leider keine Reisen zu, die mit der Bahn getätigt werden müssen. Aber jetzt konnte und wollte ich auch. Also habe ich mir ein Ticket bei einer alten Bahnhofskartenverkäuferin gekauft und saß um 10 : 20 im ICE nach Frankfurt / Flughafen. Auf dem Bahnhof schaue ich einmal nach rechts und denke mir „Mensch, diese Frau kennst du doch irgendwo her“, und während ich auf einem Zettel „Brille nicht vergessen“ schreibe, gehe ich zu Rebecca.

Rebecca hat ein Vorstellungsgespräch in einem Krankenhaus als Diätassistentin. Also war unser Hauptthema, wie man seine negativen Seiten (Ungeduld, direkte Art, Vorliebe für Schokolade und Gummibärchen) bei einem Vorstellungsgespräch gut verkaufen kann. In einer angemessenen Lautstärke. Es konnten alle Leute im Umkreis von 2 km zuhören, wie wir uns über das Arbeitsamt und Schokolade unterhalten. Und wenn wir gelacht haben, wurde der Umkreis auf 3 km aufgestockt. So ging das dann bis Fulda, denn dort musste Rebecca aussteigen. Jetzt noch zwei Stunden Zug fahren, davon eine Stunde Aufenthalt im Frankfurter Flughafenbahnhof, der an Langeweile kaum zu überbieten ist. Ich verschönere die 60 Minuten Alterungsprozess mit Musik vom mp3-Player, die mich langsam nervt, da ich sie zum x-ten Mal höre, aber was sein muss, muss sein.

In Limburg, meinem Endbahnhof, angekommen erwarte ich eine freudige Begrüßung von Sabrina. Ich stehe also vor ihr, während sie suchend nach rechts schaut und frage mich, ob ich ihr einen Pimmel auf die Wange malen soll. Dann schaut sie nach links und sucht immer noch, bemerkt mich aber, dank meiner imposanten Aura, recht schnell und freut sich. Gut, ich habe jetzt einen Banner und Orchester erwartet, aber freuen ist auch schön und immer noch besser als eine Ohrfeige. Also begeben wir uns zum Auto, fahren nach Bendorf und sehen uns ihre Wohnung an.

Sobald man reinkommt, betritt man einen Raum mit einem großen Fenster, der, wenn er mal groß ist, bestimmt ein Wintergarten werden will. Dieser Raum ist mit weißen Fließen ausgelegt und beherbergt den PC und eine Sitztruhe, die selbst gebastelt wurde, wie mir Jens später noch mit stolz geschwellter Brust erzählt. Der kindliche Wintergarten geht nahtlos in ein mit Parkett ausgelegtes Wohnzimmer über, das zwar klein und zusammengewürfelt, aber trotzdem sehr gemütlich aussieht. Außerdem gibt es ganz viele DVD’s und Bücher. Sympathiepunkte. Ein Regal ist voll mit Romanen wie „Meer aus flammenden Herzen“ oder „Er trug mich auf seinen starken Armen“. Sympathiepunkteabzug. Weiter geht es zu meinem großen Traum. Die Küche. Groß, geräumig und mit Elektroherd. Wundervoll. Hier macht Kochen Spaß. Und es gibt sogar Radio und Musik. Während ich ganz höflich nachfrage, wann die beiden denn endlich mal ausziehen, stell ich mir schon vor, wie sich meine Möbel (Fernseh- und Waschbeckenunterschrank) in dieser Behausung machen.

Wir setzen uns aufs Sofa und erzählen uns gegenseitig ein paar Dinge, die im Allgemeinen Freundschaften schließen lassen. Dann gibt es noch Essen. Tortelliniauflauf, der zur Hälfte aus Fertigprodukten besteht, was mich nicht im Geringsten stört, denn ich habe Hunger und mache es zu Hause auch nicht anders. Und so warten wir auf Jens. Jens muss nämlich arbeiten und wird erst gegen Neun Uhr zu Hause ankommen. Bis dahin unterhalten wir uns weiterhin über Gott und die Welt.

Als Jens dann endlich ankommt, bekomme ich einen leichten bis mittelschweren Schock. Jens hat einen Vollbart. Sieht komisch aus, aber ich muss ihn ja nicht großziehen. Außerdem bin ich auch nicht derjenige, der ihn küssen muss, weswegen ich Sabrinas Mut bewundere, während sie ihm einen dicken Schmatzer aufdrückt. Gut, Liebe macht wahrscheinlich nicht nur blind, sondern auch leidensfähig und so schlimm sieht es ja nun auch nicht aus. Wir setzen uns nach dem Essen ins Wohnzimmer, spielen ein Filmratespiel, ich verliere und dann gehen alle schlafen.

Am nächsten Tag wache ich um 7 : 30 auf. Nicht schlecht wenn man bedenkt, dass ich um 2 : 00 in Morpheus Armen lag. Aber ich lasse mir nichts anmerken und lese meinen Roman, bis es leise an meiner Tür klopft und ein entrüsteter Jens mich fragt, wie lange ich denn schon wach sei, weil mein Buch zur Hälfte durch ist. Ich lasse den Spott über mich ergehen und wir frühstücken in Saus und Braus. Ich bin aufgeregt, denn heute ist ein wichtiger Tag. Wir besuchen Mike. Mike ist ein Arbeitskollege aus meiner ersten Ausbildung und war schon damals für seinen sehr schlagfertigen und niederschmetternden Humor bekannt. Oder sollte ich berüchtigt sagen? Jedenfalls muss ich mich vorbereiten, denn ich will keinesfalls scheitern. Ich habe ein Ziel. Möglichst souverän zu wirken. Ich will, dass ich sein Haus verlasse und er mir hinterher schreit: „Björn, du bist so genial. Du bist so reif und erwachsen und so schlau“. Ja, das ist mein Ziel. Also ... Vorbereitung. Kein Irokese heute, das wirkt nicht souverän. Während ich auf dem Klo sitze merke ich, wie sich mein Bauch auf meinen Oberschenkeln ausruht. „Gut, du hättest etwas Sport machen können. Aber jetzt ist es zu spät“. Hinfahren. Angriff. Sieg. Chaka.

Scheiße, bin ich aufgeregt. Das ist nicht gut. So fühlt sich kein Sieger. Aber zum Glück kann man so was überspielen und genau das versuche ich auch als ich sehe, wie jemand die Restauranttür von Innen aufschließt. Vor mir steht Mike. Abgenommen hat er und ich stehe vor ihm wie ein aufgequollener Sumoringer, der ein krächzendes Hallo rausbekommt. Genau Björn. Von hinten angreifen. Wiege ihn in Sicherheit. Als er mich rein bittet fällt mir auf, dass sein Bart grau geworden ist. Ich erspare mir mein Kommentar und überreiche ihm feierlich meinen selbst gemachten Orangenlikör. Irgendwie muss ich das Zeug schließlich loswerden. Wir kommen in einen relativ großen Speisesaal, von dem man rechts und links durch große Fenster jeweils ein paar reitende Kinder sehen kann. Ich mag keine reitenden Bälger, aber dafür kann er nichts. Dann setzen wir uns. Natürlich direkt an ein Fenster, von dem aus man die reitenden Kinder begutachten kann. Dafür kann er was, aber ich sage trotzdem nichts.

Und jetzt zum Plan. „Sag was Schlaues, Björn“ kommt es aus meinen Hinterkopf. Aber mein Vorderkopf macht nicht mit und fällt 9 Jahre zurück. Da bin ich also wieder. 17 Jahre alt und irgendwie verdattert. Trotz meiner Versuche Graubartmike zu erklären, dass ich mich sehr verändert habe, ziehe ich mich wie früher selbst gnadenlos durch den Kakao und rede, bevor ich denke. Was ist bloß los mit mir? Sonst bin ich doch so ruhig und bedacht. Egal. Wenn Scheiße, dann Scheiße mit Erdbeeren. Also reden wir weiter über meine Fehler und ich mache weiter meine Witze, was die anderen dazu bringt, weiterhin über mich zu lachen. Auch nicht schlecht. „Bring Leute zum Lachen, und sie finden dich sympathisch. Oder treudoof.“ sage ich mir immer. Ich entscheide mich Naiverweise für das Erste und mache weiter.
Dann kommt eine junge Frau rein. Anscheinend Kellnerin, denn sie geht hinter die Theke und unterhält sich mit Mike über ihr Kind und ihr Befinden. Mike meint zu mir: „Das ist nicht meine Frau“
„Ja ich konnte es mir schon denken. Sie hat schließlich nicht dein Alter. Oder????“

Verdammt. Das war kein Fettnäpfchen, das war ein Fetttrog. Und ich schwimme drin. Zweifle niemals am Alter einer Frau. Eine Frau ist immer 29. Außer, sie ist 26. Aber niemals zweifeln. Ich versuche mich zu entschuldigen, was aber nur mittelmäßig klappt, weil alle, bis auf die junge Frau, lachen und ich mitlachen muss. Mission gescheitert. Gottverdammt. Das könnte sich zu einer Frühjahrsdepression entwickeln. Wenigstens haben wir nicht über das Thema Frauen gesprochen, denn dann hätte ich jetzt eine Frühjahrsdepression. Als ich gehe, meint Mike noch zu mir, dass ich gerne wiederkommen kann. Ich überlege, ob ich noch was Intelligentes zum Schluss sagen soll, aber ich denke „Mathe ist toll“ klingt eher wie die Ausgeburt der Blödheit. Also belasse ich es bei „Machs gut“ und hoffe, dass er irgendwann mal bei mir im Beratungszimmer sitzt und dann staunen kann, wie wortgewandt, sarkastisch, intelligent und erwachsen ich bin. Und bis dahin kann ich ja noch an den Feinheiten arbeiten.

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Streichelpussy

„Du, Björn, willst du heute in die Stadt?“ höre ich, als eine zarte Hand meinen Arm streichelt und ich mir denke „Ach ja, ich hab schon eine geile Freundin und morgen werde ich heiraten und wir bekommen 2 - 3 richtig hübsche und vor allem intelligente Kinder, die wir dann auf eine renommierte Hauptschule schicken“. Während ich das Streicheln genieße und mein Kleinhirn „tiefer, tiefer“ schreit, schaue ich nach rechts und bekomme einen Schreck, der fast meine Zeugungsfähigkeit zunichte macht. Bianca steht neben mir. Und Bianca ist nicht meine Freundin. Noch nicht mal in meinen Träumen. Schon gar nicht in den feuchten. Bianca streichelt trotzdem meinen Arm und ich hege den Gedanken mir endlich mal diese Streitaxt zu besorgen, denn ich mag nicht gestreichelt werden. Zumindest nicht von ihr, denn sie ist etwas komisch. Ach, nennen wir das Kind beim Namen: Bianca ist so blöd. Wenn ihr Kopf aus Glas wäre, würde man die Scheiße schwimmen sehen.

Aber ich muss in die Stadt. Und da die Bianca mich ja gefragt hat und ich ungern lüge sage ich: „Gerne, warum nicht?!“ und schon habe ich die Streichelpussy an der Backe. Während wir also verknotet in die Stadt gehen gibt sie mir immer mehr Möglichkeiten an ihrer Restintelligenz zu zweifeln. „Björn? Wieso laufen wir denn da lang? Björn? Ist der Weg wirklich kürzer?“ Und als ich mir überlege, wer mir alles ein Alibi geben könnte, hat Streichelpussy den H&M entdeckt. Hier in Hersfeld ist der Zickentempel nicht besonders groß, aber es gibt ihn nun mal und Streichelpussy will unbedingt hinein um sich ein paar neue hellblaue Klamotten zu kaufen, denn hellblau ist jetzt in. Also rennt sie, mich im Schlepptau, zum ersten Ständer mit den Klamotten und sucht.
„Hm, Björn? Hier ist ja gar nichts hellblau“
„Kein Wunder, wenn alle Klamotten nach Farben sortiert sind und du dich bei den braunen befindest. Das sehe sogar ich, und ich bin ein Mann.“
„hihihihi“
Bis es die doofe Bianca endlich gemerkt hat vergehen noch ein paar Minuten, in denen sich das Blut in meinen Fingern staut, weil Bianca immer fester klammert. Ich beachte einfach nicht die mitleidigen Blicke der anderen Frauen um mich herum. Sind eh alles Zicken. Als dann die Bianca endlich mal etwas Hellblaues gefunden hatte war ich für ein paar Sekunden erleichtert. Aber dann kam die Frage, die eine Frau niemals einem Mann stellen sollte außer, sie möchte ihn fest an sich binden.
„Findest du das schön an mir?“

Atmen, Björn, atmen. Und unterdrücke den Würgreiz. Egal wie dämlich sie ist, keiner hat es verdient von oben bis unten mit Frikadellen vollgekotzt zu werden.

„Öhm ... joa ... ich find es nett ... ich werde fast neidisch. Was für ein toller Stoff. Ist das Kaschmir?“
„Och komm, du bist richtig gemein“
„Ja mein Gott es sieht ok aus. Deine Titten kommen schön zur Geltung, das lenkt von deiner inneren Leere ab.“
„Ok, gekauft“

Also gehen wir zur Kasse. Eigentlich sind H&M - Verkäuferinnen so ziemlich lecker, weswegen auch ich mich mal dazu bewege ab und an ein Shirt oder ähnliches hier zu kaufen. Heute steht dort keine Verkäuferin, sondern ein Verkäufer. Und der sieht aus, als würde er sich in jeder freien Minute einen Pickel ausdrücken. Eigentlich wollte ich ihn fragen, ob er hier vielleicht einen guten Hautarzt kennt, aber mein wieder aufkeimender Würgreiz unterbindet es und ich lege ihm nur mein soeben anprobiertes und für gut befundenes Shirt hin und warte auf eine Zahl, die wahrscheinlich noch vom Mundgeruch begleitet wird. Als der Typ sich kurz wegdreht um im Spiegel nach dem nächsten ausdrückbaren Pickel zu suchen, reicht mir Bianca ihr Titten-Hemdchen und drückt mir einen 10 € Schein in die Hand.
„Hier bezahl mal mit. Das kostet 9,99.“
„Kannst du nicht selber bezahlen?“
„Och bezahl doch einfach mal mit“
„Bianca, das geht viel einfacher als du denkst. Du legst dein Kleidungsstück auf die Theke, der Granatenkerl sagt dir eine Zahl und du gibst das Geld hin. Und wundere dich nicht, du bekommst auch was zurück“
„ ... bitte“
„Nein, selbst wenn es vom Körperumfang hinkommen würde. Ich bin nicht deine Hebamme.“
„’tschuldigung“

Strike. Ich habe es geschafft. Hoffentlich ist sie jetzt so sauer, dass sie keinen Körperkontakt mehr will. Also bezahle ich mein Shirt beim Pickelhengst und gehe mit Bianca aus dem Zickentempel, um wieder frische Luft zu schnappen. Welche mir allerdings im Hals stecken bleibt, denn Bianca beansprucht wieder meinen Arm für sich. Wir laufen zum Edeka und ich frage mich, wann die Phase kommt, in der sie mir den Sack krault. Vielleicht bläst sie mir auch einen in einer Nebenstraße. Muss ich dann dafür bezahlen, oder ist es ein freundschaftlicher Dienst? Sicherheitshalber gehe ich einfach mal mit der potentiellen Streichelblaspussy über eine Nebenstraße zum Edeka. Aber nur um festzustellen, dass außer Armstreicheln nicht mehr drin ist. Naja, man kann eben nicht alles haben und für Sex muss man heutzutage schon was tun.

Im Edeka angekommen lernt Streichelpussy eine völlig neue Welt kennen. Wir fahren mit dem Einkaufswagen durch die Regale und sie wird automatisch vom Alk angezogen weil der, zusammen mit diversen Nasenpüderchen, ihre derzeitige und wahrscheinlich auch einzige Passion ist. Da kennt sie sich aus.
„Oh, den musst du mal trinken. Da wirst du voll blau danach.“
Ich schaue auf den Preis und sehe 19,95€. Im Vergleich zu einer Kokslinie ist es vielleicht wenig Geld, aber ich befinde mich im BaföG-Erhaltungsstatus und da kann man sich so was nicht leisten. Außerdem brauche ich keine Alk, ich brauche Kuvertüre. Zur Likörherstellung.
„Du, Björn? Was ist denn Kuvertüre“
„????? Das hier ?????“
„Und wofür braucht man das?“
„??????????? Wie bitte ??????????“
Wenn Dummheit fliegen könnte hätte ich jetzt einen Heißluftballon. Es heißt ja immer: „dumm fickt gut“, aber ich glaube, selbst dafür wäre sie zu blöd. Hätte die mir in der Nebenstraße wirklich einen geblasen; wer weiß, was sie mit meinem kleinen Björn angestellt hätte?!

Diese Geschichte ist jetzt eine gute Woche her. In dieser Woche war ich noch einmal mit ihr einkaufen, allerdings nur um festzustellen, dass man Bianca nicht als Lebensgefährtin sondern als Lebensaufgabe nehmen kann. Außerdem war Bianca beleidigt, weil ich mich nicht mehr habe streicheln lassen. So kann es kommen.
Jetzt ist sie wieder in der Heimat, da ihr Praktikum zur Physiotherapeutin ein jähes Ende gefunden hat. Die Welt kann so ungerecht sein. Sie will nämlich wiederkommen, weil es ihr bei uns so gut gefallen hat. Aber bis dahin sollte ich meine Streitaxt gefunden haben.

7 Kommentare 10.4.07 17:05, kommentieren

Ich bin ein Schnittchen

Verdammte Scheiße. Gerade eben habe ich einen schönen ellenlangen Beitrag geschrieben und was war? ich habe ihn gelöscht. Ich könnte mir in den Arsch beißen.

2 Kommentare 10.4.07 21:13, kommentieren

I wanna be a Schnittchen ...

Da ich vor kurzem in der Cohibar mit Rebecca ein etwas komisches Gespräch (über Kindernamen und Hochzeit) hatte, möchte ich euch ein paar Einzelheiten nicht vorenthalten.

Thema: Sex

Es ging also um nicht vorhandenen, wilden, hemmungslosen, animalischen, durchtriebenen, schmutzigen, affengeilen ... oh ... meine Hormone gehen mit mir durch ... wo war ich? Ach ja, es ging um Sex.

Wir sitzen also in der Cohibar, umringt von frisch verliebten Päärchen. Dazu muss man sagen, Cohibar ist kein Swingerclub, sondern eine Cocktailbar. Nicht das hier Gerüchte entstehen, obwohl ....... Jedenfalls kommen wir irgendwann auf das ewige Thema der Singles. Der fehlende Sex und seine Begleiterscheinungen. Und die ewige Frage der frisch verliebten: "Und Björn. Freundin?"

An dieser Stelle kommt mein Apell:

Liebe Zusammenschlafer

Auf diese Fragen habe ich drei mögliche Antworten:

"Nein noch nicht. Der Postweg aus der Ukraine ist nunmal nicht der schnellste."
"Nein, aber ich habe da einen schönen Katalog. Hilfst du mir beim Aussuchen?"
"Ja ... darf ich vorstellen ... Johannes"

Wenn ihr aber meine wahrscheinlichste Antwort ("Nein, habe ich nicht") hört; erspart euch dieses "Warum denn nicht?". Das ist nämlich verdammt noch mal nicht aufbauend. Und wenn ich ehrlich bin, will ich auch keine Freundin. Mir geht nämlich euer gegenseitiges Abgelecke, wenn ihr auf dem Sofa sitzt gehörig auf die Nüsse. Oder dieses Verliebteneisbechergeteile. Ekelhaft. Ich habe auch keine Lust ständig diese eine Frage beantworten zu müssen.

"Liebst du mich?"
"Nein, Schatz ... aber du bist ein prima Wichsvorlage."

Und bitte nicht verkuppeln. Es werden nämlich nur die Leute verkuppelt, die sonst niemanden abbekommen. Und die sind entweder hässlich wie die Nacht und so blöd, dass sie keine 77 schreiben können, weil sie nicht wissen, welche 7 vorne steht. Und das trifft beides nicht auf mich zu. Rede ich mir zumindest ein.

Und was ich ganz schlimm finde. Warum müsst ihr immer und überall zeigen, wie verliebt ihr seid. Wisst ihr eigentlich, wie hoch die Scheidungsrate zur Zeit in Deutschland ist? Bestimmt an die 79% wenn nicht sogar noch mehr.

Also ich will keine Freundin. Naja. Vielleicht schon. Manchmal. Aber nicht immer.

Och. Mann. Verkuppeln ist ja nicht so schlimm.

Aber ich bin ein Mann und muss standhaft bleiben (Rebecca .... erspar dir die Gedanken!)

Apropos.

Ich hätte noch eine Bitte an die Sasy:

Make me a Schnittchenmaker, plies

13 Kommentare 10.4.07 21:40, kommentieren